Es braucht ein ganzes Dorf… um Oma und Opa zu pflegen

Über Kinderbetreuung, d.h. Krippe, Tagesmutter, Kindergarten, Nachmittagsbetreuung in Grundschulen etc. könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Was haben mein Mann und ich uns den Kopf zerbrochen, uns beworben, um Plätze und Zusagen gebangt! Auf helfende Großeltern (in diesem Fall meine Schwiegereltern) konnten wir leider nur im Notfall bauen, daher waren wir auf die vorgenannten Einrichtungen sowie das Entgegenkommen unserer Arbeitgeber angewiesen. Das Größerwerden der Kinder und Geschwisterboni in den Einrichtungen trugen jedoch mit der Zeit dazu bei, dass das Betreuungsproblem immer kleiner wurde.

Genau da wurde es bei meinen Eltern problematisch.

An der Betreuung meiner Eltern sind aktuell beteiligt: Meine beiden Geschwister, meine Schwägerin, der Pflegedienst, eine angestellte Alltagsbegleiterin/Demenzbetreuerin, die Putzfrau, die Sozialstation, eine Ergotherapeutin, die Schwester meiner Mutter, die Schwester meines Vaters und ich. Die Hilfe wird in unterschiedlichen Bereichen benötigt:

Medikamente und Arztbesuche

Die Hilfsbedürftigkeit meiner Eltern zeigte sich zunächst in der mangelnden Fähigkeit, Termine zu organisieren und einzuhalten sowie Tabletten ordnungsgemäß einzunehmen. Zunächst versuchten meine Geschwister und ich, durch Besuche und Anrufe an Termine und die Einnahme von Tabletten zu erinnern. Dies funktionierte jedoch nur kurz. Auch Versuche mit Medikamentenboxen scheiterten rasch, weil meine Eltern das Gefühl für Zeit (Wochentag, Uhrzeit) verloren und manchmal auch die Medikamentenboxen selbst. Daraufhin ließen wir die Medikamentengabe durch den Hausarzt verschreiben und beauftragten damit einen Pflegedienst.

Arztbesuche haben zunächst mein Bruder und meine Schwägerin übernommen. Jetzt nehmen sie nur noch die besonderen Termine wahr. Die Routineuntersuchungen oder Zahnarzttermine vor Ort übernimmt die Alltagsbegleiterin.

Nach seinem leichten Schlaganfall wurde meinem Vater Ergotherapie verordnet. Die Ergotherapeutin kommt einmal wöchentlich und macht Gedächnisübungen mit ihm.

Essen und trinken

Als wir merkten, dass unsere Eltern Schwierigkeiten mit dem Einkaufen und Kochen bekamen, machte ich alle 4 Wochen einen Großeinkauf, füllte die Kühltruhe und Vorratsschränke mit einfach zuzubereitenden Lebensmitteln und Fertigprodukten. Das klappte auch ca. 1 Jahr recht gut. Dann ließ die zeitliche Orientierung meiner Mutter soweit nach, dass sie gar nicht mehr daran dachte, zur Mittagszeit etwas zu essen zu machen. Dies übernimmt jetzt ebenfalls die Alltagsbegleiterin. Sie kauft ein, kocht jeden Tag für die beiden und am Freitag bereitet sie noch einen Eintopf für das Wochenende vor. In der Regel klappt das Aufwärmen am Wochenende. Meine Geschwister müssen jedoch nachsehen, ob wirklich etwas gegessen wurde.

Wenn die Betreuerin Urlaub hat, bestellen wir von der örtlichen Sozialstation Essen auf Rädern. Das ist dann wieder ungewohnt für die Eltern und man muss aufpassen, dass sie die verpackten Speisen auch öffnen und essen.

Körperhygiene

Beide Eltern vergaßen irgendwann, regelmäßig zu duschen. Wir erinnerten sie regelmäßig, doch diese Aufgabe wird nun auch von der Alltagsbegleiterin übernommen.

Haushalt

Die groben Putztätigkeiten werden einmal wöchentlich von einer Putzfrau erledigt. Die Alltagsbegleiterin hilft meiner Mutter bei der Wäsche und kleineren Reinigungsarbeiten. Zusätzlich sehen meine Geschwister, welche vor Ort wohnen, abwechselnd täglich vorbei, um z.B. den Müll zu leeren, Mülltonnen herauszustellen, kleinere Reparaturen durchzuführen etc.

Finanzen

Mein Vater ist Beamter und – das ist unser großes Glück – bezieht eine gute Pension. Die private Krankenversicherung in Verbindung mit der Beihilfe war vielleicht mal bezüglich der ärztlichen Versorgung ein Vorteil, mittlerweile stellt sie jedoch eine Belastung dar: Arztrechnungen, Kosten für Medikamente etc. müssen vorgestreckt und bei der Krankenversicherung/Beihilfe eingereicht werden. Leider erfolgen die Zahlungen nicht immer korrekt, so dass eine gründliche Überprüfung der Zahlungseingänge notwendig ist. Wenn dann auch noch der Pflegedienst falsch abrechnet, wird es richtig kompliziert. Mein Bruder, welcher die Finanzen meiner Eltern verwaltet, flucht regelmäßig über das System.

Freizeit

Außerhäusige Aktivitäten meiner Eltern finden praktisch nicht mehr statt, bis auf gelegentliche Spaziergänge. Wenn Familienfeiern anstehen, organisieren meine Geschwister und ich die Anreise meiner Eltern. Ansonsten hat sich ein kleines Netzwerk aus Verwandten gebildet, welche in kleinen oder größeren Abständen (je nach Möglichkeit) meine Eltern besuchen oder anrufen, mal einen Kuchen mitbringen oder ein neues Buch zu lesen.

Immer nur vorübergehende Lösungen

Anders als bei Kindern, deren Betreuung mit der Zeit immer unaufwändiger wird, nimmt die Selbstständigkeit der alten Eltern immer weiter ab. Die aktuellen Regelungen, beispielsweise die Betreuung, welche nur vormittags und an Arbeitstagen stattfindet, kann schon bald nicht mehr ausreichen.

Sodann werden wir erneut überlegen müssen, wie es weitergeht.

Fortsetzung folgt…

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