Willkommen in der Sandwich-Generation!

Eingeklemmt zwischen Kindern, Beruf und alten Eltern, so wird die „Sandwich-Generation“ beschrieben.

Auch bei mir ist neben den Themen Familie (bestehend aus meinem Mann und mir sowie drei Kindern) und Beruf nun das Thema Pflege der alten Eltern in mein Leben getreten.

Alzheimer und Demenz

Unsere Familie wurde innerhalt von einem Jahr von zwei Demenzformen heimgesucht: Bei meiner Mutter (80) wurde Alzheimer im frühen Stadium festgestellt. Mein Vater (84) leidet an einer vaskulären Demenz, verursacht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn.

Die offiziellen Diagnosen erhielten wir, nachdem wir, d.h. meine Geschwister und ich, uns bereits im Klaren darüber waren, dass etwas mit Mutter und Vater nicht stimmte. Trotzdem war insbesondere die Alzheimer-Diagnose ein Schock. Ich stand tagelang neben mir und habe viel geweint. Nachdem ich nun viele Informationen über die Krankheit gesammelt habe, geht es mir etwas besser und ich fange an Hoffnung zu schöpfen, dass durchaus noch einige gute Jahre mit meinen Eltern vor mir liegen können.

Dreifach-Belastung? Hm…

Dreifachbelastung durch Job, Kinder und alte Eltern? Ja und nein. Ich wohne ca. 250 km von meinen Eltern entfernt, so dass ich kaum als pflegende Angehörige – und damit stille Heldin unserer Gesellschaft – durchgehe, aber durch die Bedürftigkeit meiner Eltern ist zweifellos eine weitere Belastung in mein Leben getreten. Gemeinsam mit meinen Geschwistern muss ich – teils unter Zeitdruck nach Lösungen für bestimmte Probleme suchen und die psychische Belastung durch Trauer und auch Schuldgefühle ist zweifellos da.

Krankheit und Tod als Tabu

Wenn man als Angehöriger eines Demenzkranken nach Hilfe sucht, wird man auch fündig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Seniorenberatungsstellen, gemeinnützige und auch gewinnorientierte Organisationen gerne Auskunft geben. Doch bereits nach einigen Monaten Recherche bin ich auch zu einer nicht neuen Erkenntnis gelangt: Krankheit und Tod sind die Tabuthemen unserer Gesellschaft. Im Gespräch mit gleichaltrigen Freunden, deren Eltern noch fit sind, bemerkt man ein gewisses Unbehagen gepaart mit Zukunftsangst und der Aussage: „Ja, ich weiß auch noch nicht, was passieren soll, wenn meine Eltern mal auf Hilfe angewiesen sind.“ Auf Facebook, Twitter, Pinterest und Co. erfährt man nur vom prallen Leben der Anderen. Krankheit, Pflege und Tod – abgesehen von besonderes tragischen und öffentlichkeitswirksamen Fällen – finden anscheinend nur hinter verschlossenen Türen statt. Alte gebrechliche Menschen werden an den Rand der Gesellschaft und des Bewusstseins gedrängt, bis man plötzlich kalt erwischt wird.

Kind alter Eltern

Insofern habe ich als Kind alter Eltern einen kleinen Vorteil. Ich lebe mein Leben lang mit der Vorstellung, früh ohne Eltern dastehen zu können. Als ich ca. 14 Jahre alt war und mein Vater 61 sagte eine Schulfreundin zu mir: „Naja, 10 Jahre macht er’s vielleicht noch.“ Ein beängstigende Vorstellung für mich und nicht total unrealistisch. Jetzt bin ich lange erwachsen, stehe auf eigenen Beinen, habe selbst eine Familie und meine Eltern sind immer noch da. Ich fühle mich – bei aller Traurigkeit – bereit, den letzten Weg ihrer Reise mit meinen Eltern zu gehen.

Warum also dieser Blog?

Mir geht es wie gesagt um die Themen Alzheimer, Demenz und Altenpflege und wie sie mein Leben bzw. das Leben unserer Familie verändert haben. Ich möchte aus dem Alltag erzählen, wie wir gemeinsam versuchen, den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Viele Kinder wohnen weit entfernt von ihren Eltern und wissen nicht, wie sie im Fall der Fälle der Hilfsbedürftigkeit ihrer Eltern begegnen sollen. In meinem Blog werde ich von meinen Erfahrungen berichten und hoffen, damit Anderen praktische Tipps geben zu können. Ich bin keine Expertin, sondern praktisch gerade erst Betroffene geworden. Meine Familie und ich befinden uns noch am Anfang der Reise. Viele Sachen werden wir uns noch selbst erarbeiten müssen. Vielleicht kann hier auch ein Austausch mit anderen Betroffenen entstehen. Das würde mich sehr freuen.

 

 

 

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